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new1.gif (2464 Byte)Unsere Reise nach Bolivien Mai 1999

Wer Bolivien hört, denkt zuerst einmal an Südamerika, Titicacasee und eventuell noch La Paz. Das farbenfrohe Bolivien ist von vielen Kulturen geprägt worden. Unter anderem leben hier Aymarás, Quechuas und Tupi-Guaranies.

Der bekannteste Ort ist ohne Zweifel La Paz mit ca. 1 Million Einwohnern, ca. 50 % der Bolivianern lebt sowieso in grösseren Städten. La Paz liegt auf einer Höhe von 3.650 Metern über dem Meeresspiegel.

Hochland von La Paz nach CoroicoHochland auf dem Weg von La Paz nach Coroico

 

 

 

 

Worüber aber viele nichts wissen, ist das Städtchen Coroico auf 1.750 Metern. Hier herrscht ein subtropisches Klima, so dass dort Bananen, Zitrusfrüchte, Kaffee, Avocados, Coca und Orchideen wachsen.

wilde LandschaftWeihnachtssterne in Grossformat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aussicht vom Restaurant La CasaAussicht vom Restaurant "La Casa" über die wunderschöne, grüne Bergwelt Boliviens

 

 

 

     

 

Um von Coroico nach La Paz zu kommen, fährt man über einen Pass in 4.500 Metern Höhe, die Königskordillere. Ca. 1 1/2 Stunden Fahrt führen durch eine relativ kahle Bergwelt, doch die restlichen 1 1/2 Stunden Fahrzeit führen einen durch Wälder mit Riesenfarnen und Bambus in allen Variationen. Auf diese Weise benötigt man für 100 km 3 Stunden Autofahrt, zumal die Hälfte der Strecke fast nur aus Kurven besteht. Diese Strasse wurde erst in den 40er Jahren von Kriegsgefangenen aus dem "Chacokrieg" (Bolivien-Paraguay) gebaut. Das bedeutet, das die Menschen früher zu Fuss für diese Strecke anstrengende 7 Tage benötigten. Touristen laufen heute häufig den Weg Bergabwärts in 3-4 Tagen, es soll traumhaft schön sein.

Coroico von obenBlick auf Coroico

 

 

 

 

Ueberhaupt gibt es von Coroico aus für Touristen sehr viele reizvolle Touren. Zum Beispiel liegt eine Flussgabelung in ca. 3 Stunden Fussmarschentfernung, wo man wunderbar in einem "natürlichen Pool" schwimmen kann. Der Weg dorthin führt durch Mandarinenplantagen und über alte Maultierpfade.

Ein schöner 2-stündiger Marsch führt zu einem Wasserfall, wobei die Wanderung interessanter sein soll, als der Wasserfall selbst.

Herrliche Aussichten und eine unberührte Natur findet man am Berg Uchumachi.

UchumachiBlick von Coroico auf den Uchumachi

 

 

 

 

Bei soviel frischer Luft und viel Bewegung darf auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen. Und ob ihr es glaubt oder nicht, aber in Coroico  könnt ihr hervorragende deutsche und schweizerische Küche geniessen. Wer einmal dort vorbei kommt, muss es unbedingt ausprobieren

lacasa1.gif (5206 Byte)                          Restaurant

 

So, wer nun auf den Geschmack gekommen ist, der kann sofern er Lust hat uns auf unserer Reise nach Coroico begleiten. Es ist kein Reisebericht der normalen Art, sondern er gibt ziemlich wild durcheinander unsere Gedanken und Gefühle mit *g* 

13.5.1999

Eigentlich war lang Schlafen angesagt, um so die Wartezeit bis zur Abreise um 12.30 Uhr von zu Hause zu verkürzen. Doch die Nervosität vor dieser grossen Reise, sowie meine Rückenschmerzen machten diesen Plan zunichte. Fast schon fix und fertig sassen wir um 8 Uhr am Frühstückstisch. Was dann folgte war wohl für meine Mutter, die die Wohnung und Pepsi hütete, ziemlich nervtötend und sicher war sie froh als wir um 12.30 Uhr endlich abreisten.

Nun haben wir 15.30 Uhr und wir sitzen in Zürich und warten auf unseren Flug nach Paris. Nach den Erläuterungen der Dame von Airfrance ist uns schon jetzt fast klar, das wir nur mit einer Unmenge Glück den Anschluss in Paris beim Rückflug bekommen. Doch bis dahin ist noch viel Zeit und erst einmal heisst es ankommen.

Abflug von Zürich war dann um 17.15 Uhr , Ankunft in Paris CDG2 um 18.30 Uhr.

In Zürich wurden wir von der Airfrance noch ausgerufen, da unser Gepäck nicht sauber beschriftet war. Der Bahnangestellte in Thalwil hatte eine solche Sauklaue *g*, das unsere Koffer wohl nur bis Sao Paulo gereist wären. Die Angestellte der Airfrance, welche uns die Boardingcards ausgestellt hatte, war aber sehr aufmerksam und meinte sie wolle zur Sicherheit mal wegen unserem Gepäck schaun. Ehrlich gesagt: ich hielt dies fuer blosses Gerede, doch wie wir dann sahen, sie hat wahr gemacht, und wir haben ihr zu verdanken, das unsere Ankunft in La Paz nicht gleich von Ärger überschattet war.

Dann kam noch etwas, ich rechnete damit mit einem Airbus zu fliegen und was stand da: eine kleine und auch nicht gerade neue Boeing 737. Aber man sollte keine Vorurteile haben, diese kleine Maschine bzw. der Pilot legten den besten Start und Landung hin, die wir je erlebt hatten. Na ja und der Pilot versuchte dann auf dem Weg bis zum Gate alle Rekorde der Formel 1 zu brechen, allerdings mit seinem Flugzeug *lach*.

Am Flughafen Paris CDG2 landeten wir, dann kam eine fast halsbrecherische Busfahrt zu CDG1, von wo aus die Varig abfliegt. Und nun der Hammer, der mir fast die Reise versaut hat: auch auf der Vairg darf man seit kurzem nicht mehr rauchen. Ich hatte gerade den Flug mit der Varig gewählt, weil man dort noch rauchen durfte. Ja und nun ist es 20.45 Uhr, wir sitzen in einem Restaurant und ich rauche eine nach der anderen, auf Vorrat eben. Ob ich mehr als 11 Stunden ohne Ziggi überlebe ????? Nikotinkaugummi gibt es hier auch keinen, also habe ich mich mit Bonbons und normalem Kaugummi eingedeckt. Wenn ich überlebe, schreibe ich später weiter!!!!!!!!!!!

Pünktlich angekommen in Sao Paulo gelandet um 5.05 Uhr (zu Hause 10.05). Während ihr zu Hause es schon lange hell habt, so sind wir seit Stunden im Dunkeln unterwegs. Ich habe das Nichtrauchen überlebt, bis jetzt, aber nur weil ich zwischendurch immer wieder geschlafen habe. Auch hier am Flughafen ist überall Rauchverbot, doch viele halten sich nicht dran, deren Nähe suche ich. Na ja haken wir das Thema nun ab!!!

Wir dachten wir wuerden mit einem Jumbo fliegen, aber es war ausgerechnet eine MD11 (ohne Elektroschaden) ;-))).

Essen und Trinken auf diesem Flug war gut und reichlich.

Nun haben wir noch 3 Stunden Wartezeit vor uns und dann noch einmal 3,5 Stunden Flug.

14.5.1999

Die restliche Reisezeit verging relativ schnell, obwohl bis SantaCruz die Landschaft unter uns zum Anschaun vom Flugzeug aus nicht viel bot, Felder, Felder und noch einmal Felder. Dafuer war aber die Reise von Santa Cruz aus nach La Paz das absolut Schönste. So viele hohe Berge, einer an dem anderen mit tiefgrünen Taelern dazwischen, dann mal wieder eine schneebedeckte Bergkette, dies alles ist wunderschön und ergreifend.

Als wir in La Paz landeten, ging alles recht schnell, und Marita erwartete uns schon mit einem gelben Blumenstrauss mit Sonnenblumen und Gräsern. Das mit den Sonnenblumen war ein Volltreffer, 1. meine Lieblingsblumen und 2. bekommt man in La Paz zwar sehr viele verschiedene Blumen, doch Sonnenblumen normalerweise nicht. Marita sah diese bei einer Blumenfrau unter dem Tisch liegen und sie waren wohl eigentlich gar nicht zum Verkauf gedacht.

Nach einer sehr herzlichen Begrüssung ging es in einem Taxi in rasanter Fahrt nach La Paz rein zu unserem Hotel Residencial Rosario für eine Nacht.

Der Flughafen von La Paz liegt oberhalb der Stadt und die Stadtmitte ganz unten im Tal. Im Tal wurde früher La Paz gegründet, da aber immer mehr Menschen in die Stadt zogen und der Platz eng wurde baute man rund herum die Berge hinauf, so das die Häuser heute nach allen Seiten bis fast zu den Gipfeln stehen. Fast alle Häuser sind aus rohen, nicht verputzten roten Ziegelsteinen. Fuer uns Europaer sieht es so aus, als ob alle diese Häuser noch Baustellen wären, doch dem ist nicht so.

Auf dem Weg zum Hotel sahen wir ausserhalb überall Menschen, die an den Strassenrändern etwas sammelten, wahrscheinlich Gras für Matratzen und Ginster oder andere Sträucher die als Heilkräuter dienen und dann in einer der vielen Strassen von La Paz am Strassenrand verkauft werden. Bleiben wir erst einmal bei diesem Thema, das Strassenbild ist geprägt von Indiofrauen (Jolitas), die einfach auf dem Bürgersteig sitzen und dort wirklich alles verkaufen, was man sich denken kann (Blumen, Nüsse, Früchte, Gemüse, getrocknete Kartoffeln und Pfirsische, Heilkräuter, Glücksbringer, Lederwaren, Drogerieartikel, Strickwaren usw.).

Fasziniert war ich von der Vielzahl Kartoffeln die es dort gab, vor allem die getrockneten. Sie werden vor dem Winter in den Boden eingegraben, so das sie gefrieren und im Frühjahr wieder ausgegraben. Zum Essen werden sie dann eingeweicht und als kleine Stücke oder Brei weiter verwendet.

Aus den getrockneten Pfirsichen machen die Frauen eine Art Sirup, der in Gläser abgefüllt, ebenfalls dort verkauft wird.. Die Pfirsische werden mit Wasser aufgekocht und teilweise auch noch etwa Zimt dazu. Der ausgekochte Pfirsisch kommt dann mit in das Glas welches verkauft wird, dies sieht etwas eigenartig aus.

Wie schon erwähnt, werden Glücksbringer verkauft. Diese spielen in vielen Lebenslagen der Bolivianer eine grosse Rolle. Die Bolivianer verehren die Erde, dies bedeutet u.a., das bei jedem Hausbau diverse Glücksbringer wie z.B. aus Lehm geformte Frösche, Schildkröten und, nun kommt es, echte getrocknete Lamaembryos mit eingegossen werden. Die getrockneten Lamaembryos sieht man auch an den Strassenständen.

Desweiteren opfert man der Erde zu bestimmten Gelegenheiten und Tagen diese Figuren oder bestimmte Kräuter, oder auf bestimmten Strassen verschüttet der Fahrer Alkohol als Opfer.

Unbedingt erwähnenswert ist der Verkehr in La Paz. Regeln gibt es so gut wie keine, Führerscheine werden nicht gebraucht, Fussgänger leben höchst gefährlich und müssen sehen wie sie von einer Seite auf die andere kommen, die Bürgersteige sind meist belegt von den Marktfrauen. In La Paz fahren fast nur Taxis, kleine und grosse Busse, Vorfahrt hat derjenige, der am schnellsten ist und am lautesten hupen kann. Passagiere werden an jeder Ecke oder mitten auf der Strasse ein- und ausgeladen, was natürlich zur Folge hat, das der Verkehr stockt und die Huperei zur Hochform aufläuft.

Das rege Treiben von La Paz in Worten wiederzugeben ist fast unmöglich, auch denke ich Bilder reichen dazu nicht aus. Ein Tip also für alle die etwas nicht Alltägliches sehen wollen: reist nach La Paz und fangt die Stimmung selbst ein.

La Paz Stadt liegt auf 3.700 m und der Flughafen auf ueber 4.000 m. Eigentlich hat jeder der dort ankommt körperliche Probleme wegen der dünnen Luft, doch wir hatten Glück, es ging uns blendend. Damit dies auch so blieb empfahl uns Marita erst einmal einen Kokatee zu trinken und Aspirin einzunehmen. Kokatee ist aus getrockneten Kokablaettern (das heilige Blatt) und schmeckt ähnlich wie Matetee.

15.05.1999

Dies war nun unsere erste Nacht in La Paz, wie geplant starteten wir am nächsten Tag mit einem Taxi-Bus nach Coroico. Von der sogenannten Todesstrasse hatten wir schon einiges gehört, folglich war es uns nun doch ein wenig mulmig. Gut die halbe Strecke nach Coroico ist aber noch geteert und auch relativ breit, wobei man sich teilweise vorkommt, wie auf einer Rennstrecke. Etwa auf halbem Wege kamen wir auch an eine Kontrollstelle, wo die Fahrzeuge und ihre Insassen auf Drogen kontrolliert werden. Nun dachten wir wir wären auch dran, denn unser Taxi war voll geladen bis unter die Decke. Doch wie es so ist, Vitamin B ist alles, und unser Fahrer hatte dort einen Amigo und wir konnten nach nur einigen Minuten Wartezeit weiterfahren. Obwohl uns wurde die Wartezeit dort nicht lang, denn es gab so viel zu sehen, der ganze Strassenrand war wieder besetzt von kleinen Restaurants, vor denen Kleinigkeiten zubereitet wurden.

Nachdem die geteerte Strasse dann aufhörte, befuhren wir eine reine Lehm- und Schotterstrasse, die zuerst noch trocken war, da die Sonne dort noch recht heiss schien, obwohl wir uns auf fast 4.500 m befanden. Kurze Zeit später aber kam Nebel auf, und der Lehm wurde immer nasser, es fing an zu nieseln. Noch etwas weiter mussten wir dann auch desöfteren unter Wasserfällen hindurchfahren, so das die Strasse teilweise unter Wasser stand, denn die Strasse war nicht eben, sondern bestand eigentlich überwiegend aus tiefen Schlaglöchern und breiten Wasserrinnen an der Bergseite. Die Fahrzeuge fuhren ziemlich weit links, und wenn man auf dieser Seite sass, so hatte man den Eindruck, als ob es jeden Moment tief in den Abgrund ging. Ich konnte zwar nicht bis ganz unten hinabsehen wegen des Nebels, doch das was ich sah, liess mir Schauer ueber den Rücken laufen. Auf einmal standen wir alle, denn einige Fahrzeuge vor uns war ein kleiner Erdrutsch, der erst beseitigt werden musste. Das die Strasse solche Schlaglöcher hatte ist kein Wunder, denn dort fahren absolut überfüllte und riesige LKW’s, und dies nicht gerade in einem gemässigtem Tempo, sondern so schnell wie es eben geht. Die Strasse wurde nun immer schlammiger und ohne 4-Rad-Antrieb ist auf dieser Strasse absolut kein Durchkommen.

Je weiter wir nun ins Tal kamen, um so mehr verging der Nebel, und die Sonne kam hervor, die Strasse trocknete und es wurde staubig wie in der Wüste.

Die Fahrt war so faszinierend, denn oben auf 4.500 m Hoehe war alles grau und fast kaum ein Gewächs war dort zu finden, doch kaum ein Stück weiter unten, befand man sich gleich in einer ganz anderen Welt, alles in der Natur mit Ausnahme der Strasse, war aus einem herrlich saftigen dunklen Grün und Blüten in allen Farben waren zu sehen, und dies, obwohl es doch hier in Bolivien nun langsam auf den Winter zu geht.

Am Ortseingang von Coroico muss man dann noch einmal eine Polizeistelle durchfahren, hier gibt man den Registrierungzettel ab, den man weit vorher bekommen hat. Auf diese Weise soll wohl kontrolliert werden, ob ein Auto zwischendurch abhanden kommt. Doch Marita bezweifelte sehr, ob durch dieses System jemals ein abhanden gekommes Fahrzeug gefunden wurde.

Angekommen beim La Casa erwarteten uns schon Hugo und die Kinder uns es ging ans Ausladen des Kleinbusses, denn auch Marita hatte reichlich eingekauft. Das La Casa ist ein sehr schönes Haus, und unser Zimmer ist riesengross und wenn wir aus dem Fenster schauen sehen wir nur grüne Berge.

Nachmittags machten wir dann zu Fuss noch eine Runde durch Coroico, Autos sind hier eigentlich nur als Taxis anzutreffen, was bei den gepflasterten oder lehmigen Strassen auch kein Wunder ist. Auch hier in Coroico gibt es Jolitas, die ihre Waren am Strassenrand verkaufen und jede Menge kleiner bzw. winziger Laeden,. Ladenöffnungszeiten gibt es hier nicht, einkaufen kann man an 7 Tagen in der Woche von morgens früh bis Abends spät.

 

Naturschönheiten im Gebiet Coroico

In Coroico ist man umgeben von Grün in allen Farbtönen. Wo man auch hinsieht sind dicht bewaldete Berge, deren grün nur sehr selten von Naturstrassen unterbrochen wird.

Aufgrund des Klimas, auch im Winter gibt es hier keinen Nachtfrost, wächst und gedeiht fast alles.

Von Citrusfrüchten, über baumähnliche grosse Weihnachtssterne bis hin zu riesengrossen Gummibäumen (viel grösser noch als alte Eichen) ist hier alles zu finden. In manchen Gebieten wachsen meterhohe Baumfarne. Hier sagen Experten, das dort wo Baumfarne gedeihen, die Natur noch unberührt und gesund ist. Und egal wo man sich auch in der Natur befindet, überall wachsen, bzw. wuchern Fleissige Lieschen. Es sieht irgendwie lustig aus, wenn man in diesen Urwald hineinschaut und der ganze Boden ist bedeckt mit diesen in allen Rottönen schimmernden Pflanzen.

Es gibt auch sehr viele Orchideenarten dort. Nur leider bekam ich diese nicht in Blüte zu sehen, da der Winter ja gerade begann.

Die Bolivianer haben auch eine Nationalpflanze, die Kantuta. Sie besitzt eine rote Blüte mit gelbem Blütenkern und grüne Blätter, also Farben, welche der bolivianischen Flagge entsprechen.

Die Bergwelt rund um Coroico bietet ein prachtvolles Bild und wenn die Wolken es zulassen hat man eine fantastische Aussicht auf 6000er Berge, die mit ihren schneebedeckten Gipfeln über grün bewaldete Berge hinausragen.

Oberhalb von Coroico liegt der Uchumachi, ein erloschener Vulkan. Wer sich vor einer ausgedehnten Wanderung nicht scheut, kann diesen besteigen um von dort oben ein wunderbares Panorama geniessen zu können.

Eine Warnung aber die für die ganze Gegend gilt: sich nie alleine auf eine Wanderung zu begeben, besser noch einen Führer mitnehmen.  

 

Problematik Bolivien

Eine kleine Geschichte zu Bolivien:

Als der liebe Gott die Welt schuf und alles verteilte, da gab er z.B. die arbeitsamen Leute nach Europa. Nach Bolivien gab er reichlich Bodenschätze (Gold, Silber, Kupfer, Edelsteine und mehr), sowie eine wunderbare Natur.

Daraufhin beschwerten sich natürlich alle anderen Laender und fragten Gott: "Warum gibst du soviel Reichtum und Schönheit nach Bolivien, das ist doch gemein!"

Gott antwortete darauf: " Regt euch nicht auf, ich habe ihnen nicht nur all dies gegeben, ich habe ihnen schliesslich auch die Bolivianer gegeben!"

Lest bitte weiter und ihr werdet den Sinn der Geschichte verstehen ;-))

 

Wohnsituation

Wie schon am Anfang von La Paz beschrieben, sind viele Häuser aus rohen Ziegeln und sehen fuer unsere Verhältnisse aus wie Baustellen. Diese Häuser haben aber schon Zementfussboden und relativ gute Dächer, teilweise Ziegel sonst Wellblech.

Meine Meinung nun nach einer Woche in Coroico ist jetzt, das diese Häuser schon komfortable Gebäude sind fuer Bolivien.

Strom und Wasser haben in La Paz aber meist nur die Gebäude, die ziemlich weit unten liegen. Die Häuser weiter oben am Berg müssen meist ohne diesen Komfort leben, denn die Leute müssten fuer Leitungen und Anschlüsse selbst zahlen, und dies ist fuer die Meisten nicht möglich.

Hier in Coroico gibt es sehr wenig wirklich gut gebaute Häuser, die meisten sind dann Hotels, ansonsten Häuser wie eben von La Paz beschrieben oder alte Häuser, die teilweise schon fast zusammen fallen und auch viele Hütten (wir westlichen Europaer würden sie wohl fuer Ställe halten), in denen es weder Strom noch Wasser und nur einen Raum mit Lehmfussboden gibt. Auch in diesen Hütten leben Menschen, von einer wissen wir z.B. das die Montasmiete 70 Bolivianos (ca. 21 sfr) beträgt. Das hört sich zwar sehr wenig an, aber nehmen wir z.B. das Monatseinkommen eines Junglehrers von ca. 350-400 Bolivianos, dann sieht die Sache schon anders aus. Die anderen Wohnungen (1-2 Zimmer), auch nicht in besonders guten Häusern, aber wenigstens mit Wasser und Strom kosten meist zwischen US 100-200 (570 – 1140 Bolivianos), dies ist fuer die meisten Menschen hier gar nicht zu zahlen.

 

Schulproblematik

In Coroico gibt es einen Kindergarten, 2 Grundschulen und eine Colegio (Gymnasium).

Vom Gesetz vorgeschrieben sind 200 Schultage pro Jahr. Doch Marita hat uns einmal vorgerechnet, das man im Grunde nur auf ca. 120 Tage im Jahr kommt. Denn

  1. gibt es insgesamt 3 Monate und 3 Wochen offizielle Ferien
  2. wenn Feiertage auf ein Wochenende fallen, wird das mit einem Wochentag ausgeglichen. Dies ist eine offizielle Regelung.
  3. wenn ein Feiertag auf deinen Donnerstag fällt, dann ist auch der Freitag die Schule geschlossen. Dies ist eine inoffizielle Regelung.

Desweiteren halten die Lehrer nicht unbedingt alle etwas von Pünktlichkeit, und so oft ich eines der Kinder fragte, bei irgendeinem ist so gut wie täglich mindestens eine Unterrichtsstunde ausgefallen, weil ein Lehrer fehlte.

Da stellt sich die Frage: sind dies gute Vorbilder fuer die Kinder??

Die Schulgebäude sind ebenfalls nicht unbedingt in bestem baulichen Zustand. Das Allerschlimmste aber sind die Toiletten fuer die Kinder, erstens für die Anzahl der Schüler sind es viel zu wenig und alles ist defekt. Die Wasserspülungen funktionieren nicht, die Waschbecken sind für Kinder viel zu hoch, logischerweise sind sie deshalb nicht mehr verankert und der dort herrschende Geruch zeugt auch nicht von regelmässiger Hygiene. Da viele Kinder Schulwege von mehr als 1 Stunde für einen Weg haben, wäre es doch wohl angebracht, wenn sie in ihrer Schule eine saubere Toilette vorfinden könnten.

Die Schule bekommt zwar pro Jahr immer etwas Geld zugeteilt, doch dies ist nicht viel und wird eher in unwichtigere Dinge gesteckt. Die derzeitigen Schulgebäude sind aber auch ein Fass ohne Boden.

Ich moechte aber auch einmal etwas positves anmerken. Fuer Sportgelegenheiten, meistens Basketball, ist gesorgt. So das die Kinder diese Plätze auch in Arbeitsgruppen und während der langen Ferien nutzen können.

In den Klassen sind sehr viele Kinder, so in etwa 40-50. Allerdings werden diese mit jedem Schuljahr weniger, da die Eltern oft nicht das Geld haben um ihre Kinder in Schulen zu schicken. Es wird zwar von den staatlichen Schulen kein Schulgeld verlangt, doch die Eltern haben sich zusammen geschlossen und zahlen monatlich einen Betrag um damit das Lehrergehalt aufzubessern, damit diese motivierter arbeiten. Desweiteren muss sämtliches Arbeitsmaterial und Schulbücher von den Eltern bezahlt werden.

Nach dem was ich da so gehört habe, arbeiten die Lehrer da oft nicht sehr logisch. Es wäre doch gut, wenn so weit möglich Materialien benutzt würden, die die Natur bietet oder zumindest solche, die es in Coroico zu kaufen gäbe. Dem ist leider nicht so. Sehr oft werden Materialien verlangt, die nur in La Paz zu bekommen sind, und zu dem oft noch relativ teuer sind. Logischerweise können so nicht alle Kinder ihre Arbeiten machen, da den Eltern effektiv das Geld fehlt. Von den Lehrern wird dann aber einfach behauptet, die Kinder wären faul und würden fast nie ihre Aufgaben abliefern. Die Verantwortung wälzen sie auf die Eltern ab, ohne sich selbst und ihre Lehrmethoden einmal zu ueberprüfen.

 

Mentalität der Bolivianer

Was ich hier schreibe habe ich teilweise selbst miterlebt und gesehen oder auch aus Gesprächen mit Bolivianern und dort lang lebenden Ausländern. Ich möchte aber auch darauf hinweisen, das ich nicht Menschen aus ganz Bolivien beurteilen kann, sondern nur aus dem Bereich La Paz und Coroico, und wie überall auf der Welt bestätigen Ausnahmen die Regel.

Zuerst einmal möchte ich hervorheben, das die meisten Bolivianer auf mich einen zufriedenen Eindruck machten, obwohl sie in Lebensituationen steckten, die wir Europaer niemals als zufriedenstellend ansehen würden.  

Die Bolivianer arbeiten meist nicht aus Ehrgeiz, sondern um zu Überleben. Deshalb sind sie oft mit Gelegenheitsarbeiten zufrieden, so das sie dann wieder genug Geld haben um kurze Zeit ihre Bedürfnisse zu stillen. Diese Einstellung zur Arbeit ist für viele Hotel- und Restaurantbetreiber ein Problem, denn sie wissen nie so genau, ob ihr Personal am nächsten Tag wiederkommt. Auch ohne Aufsicht und Kontrolle kann man diese Leute nicht arbeiten lassen, denn dann würde wohl gerade nur mal die Arbeit gemacht, die ihnen direkt vor die Füsse fällt.

Noch etwas fiel mir auf, ich konnte in so manch heruntergekommenes Zimmer schauen (kein Bad, Lehmfussboden usw.), aber nicht selten gab es dort Radio und Fernseher, natürlich sofern es Strom gab. Der Bolivianer legt mehr Wert auf Dinge wie Fernseher und Auto, als auf gute Hygiene und schöne Wohnungen.

Etwas liebt der Bolivianer von ganzem Herzen: Feste und Paraden!!!!!

Mehrmals im Jahr werden Feste gefeiert und Paraden abgehalten. Zu diesen Paraden finden sich Gruppen zusammen, die Musik machen, Tanzen und im Festzug mitlaufen. Alle diese Paraden sind sehr farbenprächtig und immer wieder werden dafür neue und aufwendige Kleider gebraucht. Jetzt sollte man annehmen, dafür haben die Leute kein Geld, doch lieber verzichten sie aufs Essen und kaufen oder mieten dafür ihre Kostüme für die Paraden. An solchen Tagen leben die Menschen auf, feiern ausgelassen und schöpfen so wieder Kraft für ihren Alltag.

In einem Punkt hätten die Bolivianer einen Preis verdient, und zwar im Improvisieren. Ich selbst habe dafür ein Beispiel erlebt. Es wurde ganz spontan für Sonntagmittag eine Beerdigung angesetzt. Jetzt könnte man annehmen, das die Leute nur einfach einen Blumenstrauss gebracht hätten, aber von wegen. Innerhalb kürzester Zeit wurden aus Materialien die die Natur hergab schöne Kränze und Kreuze gebastelt.

Ich erwähnte bereits, das die Bolivianer Feste lieben. In Deutschland oder der Schweiz wird so etwas von langer Hand vorbereitet, doch in Bolivien kommt es des öfteren vor, das die Vorbereitung zu einem grossen Fest erst wenige Tage vorher beginnt und trotzdem klappt alles, na ja sagen wir fast alles.

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